Pränatales Screening
Das Screening stellt eine einfache und zugängliche Untersuchung dar, welche die Möglichkeit (das Risiko) einer Erkrankung vor der Erscheinung von Symptomen feststellt. Den Untersuchten mit hohem Risiko einer Erkrankung („Screening positiv") wird eine Untersuchung angeboten, die auf den klaren Nachweis einer Erkrankung oder auf ein präventives Regime abzielt, das der vollen Entfaltung der Krankheit entgegenwirkt.
Bei einem positiven Ergebnis des Screenings von angeborenen Defekten in der Schwangerschaft (pränatal) mit Hilfe von Bluttests und Ultraschall wird den Müttern eine gezielte Untersuchung von Fruchtwasserzellen (Amniozentese - AMC), Plazenten (Choriendiopsie - CVS) oder Embryoblut (Kordozentese - PUBS) angeboten. Das Ergebnis des Screenings kann auch ein Grund für gezielte Ultraschalluntersuchungen (superkonsiliares Ultraschall) oder zur Beobachtung für Risikoschwangerschaften sein.
Beim Nachweis eines Befalls des Embryonen mit einer ernsthaften und unheilbaren Krankheit kann die Mutter einen Schwangerschaftsabbruch bis zur 24. Woche beantragen.
Eine Screening-Untersuchung ist einfach, aber ungenau. Ein Teil der Screening Positiven ist gesund, und das Ergebnis führt nur zum falschen Alarm. Wir sprechen dabei von einer falschen Positivität. Und einen Teil der Erkrankten kann das Screening nicht enthüllen – das wiederum stellt eine falsche Negativität des Screenings dar.
Pränatales Screening ist ausgerichtet auf manche ernsthafte Defekte bei Embryonen, die zumeist zufällig als „genetische Unfälle“ bei der Empfängnis oder in den ersten Schwangerschaftswochen entstehen. Den schwersten Defekt stellt das bei der Empfängnis entstehende Down-Syndrom dar, dessen Ursache ein überschüssiger Block von etwa 250 Genen in allen Embryozellen ist, der auf dem Chromosom Nummer 21 liegt (Trisomie des Chromosoms Nr. 21). Beispiel für einen angeborenen Defekt der Leibesfrucht, der sich in den ersten Schwangerschaftswochen entwickelt, ist die Spaltung der Wirbelsäule.
Typische Symptome des Down-Syndroms (Mongoloidismus):
Rundes orientalisches Gesicht mit kurzen Lidspalten und Hautfalten, die in den inneren Ecken aus den Oberlidern in eine kurze Knopfnase übergehen. Der Mund ist klein, mit herausragender Zunge. Der Schädel ist kurz. Auf den Handflächen ist eine quer verlaufende Rille. Lockere Muskeln sind der Grund für lockere Gelenke. Für das Down-Syndrom typische innere Defekte sind Herzstörungen (bei 40%) und Störungen des Verdauungssystems (bei 20%). Man kann von einer Störung des Immunsystems, einer verminderten Tätigkeit der Schilddrüse und einem höheren Vorkommen bösartiger Bluterkrankungen ausgehen. Die geistige Entwicklung ist stets verspätet. Die Lebenserwartung liegt bei über 40 Jahren.
Die häufigste Ursache (in 90 % der Fälle) ist eine fehlerhafte Teilung der Eizelle vor der Befruchtung. Die Eizellen sind in den Eierstöcken von Embryonen weiblichen Geschlechts bereits im ersten Drittel ihrer intrauterinen Entwicklung präsent. Sie bilden sozusagen ein biologisches Ziel für Eingriffe von Außen, und das ist einer der Gründe, warum Leibesfrüchte älterer Mütter öfter zufällig auftretende genetische Defekte aufweisen.
| Mother's age |
Risk of Down syndrome in birth |
| 20 |
1/1500 |
| 25 |
1/1400 |
| 30 |
1/1000 |
| 35 |
1/380 |
| 40 |
1/110 |
| 45 |
1/30 |
Screening des Down-Syndroms je nach Alter der Mutter:
Beim Alters-Screening besteht bei allen Müttern im Alter von über 35 Jahren ein Risiko von 1/380 für eine Geburt eines behinderten Neugeborenen.
Kombiniertes Screening (Multimarker) aus Werten biochemischer Stoffe im Blut der Mutter mittels einer Ultraschalluntersuchung des Embryos.
Dieses Screening-System orientiert sich hauptsächlich auf das Down-Syndrom (DS), das Edwards-Syndrom (Mehrfachdefekte, die mit dem Leben unvereinbar sind) und auf Defekte mit einer beschädigten Hautdecke des Embryos: Defekte neuraler Röhre und der Bauchwand.
- Ein Multimarker-Screening im II. Trimester (zwischen der 14-21. Schwangerschaftswoche) ist zu einem üblichen Bestandteil der pränatalen Sorge geworden. Zur Risikobestimmung eines Defekts bei der Leibesfrucht werden Werte im Blut der Mutter (Marker) und ihr Alter benutzt.
Die grundlegende Dreiheit von Blutmarkern eines so genannten „triple tests" bilden:
Alphafetoprotein (AFP), das menschliche Chorion-Gonadotropin (T-hCG) und das nicht konjugierte Estriol (uE3)
- Neu eingeführt wird die Untersuchung zweier Marker bereits in der 10. Schwangerschaftswoche:
Das Schwangerschaftsplasmaprotein A (PAPP-A) und
die freie Beta-Untereinheit hCG (Fß hCG)
Die biochemische Untersuchung von Stoffen im Blut der Mutter in der 10. Woche wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Embryos ergänzt:
durch die Größe der Nackenaufhellung (nuchale Transluzenz des Embryos ( NT) und den Nachweis eines Nasenknochens (NB), am besten in der 12. Woche.
Die Ergebnisse aller Tests lassen sich in ein einziges Ergebnis integrieren.
- Genetischer Ultraschall im II. Trimester:
Das Risiko angeborener Defekte beim Embryo lässt sich mit einer gezielten Ultraschalluntersuchung in der 18-20. Woche genauer bestimmen.
Protokoll eines Screenings des Down-Syndroms und weiterer Defekte in fünf Schritten:
- Beim ersten Besuch der pränatalen Beratung wird die Mutter über die Möglichkeit eines Screenings angeborener Defekte informiert . Müttern über 35 Jahre wird eine genetische Konsultation empfohlen.
- In der 10. Woche wird Blut zur PAPP-A entnommen.
- in der 12. Woche wird mit Ultraschall die nuchale Transluzenz (NT) gemessen und die Anwesenheit des Nasenknochens (NB) beim Embryo festgestellt.
Mütter mit einem wesentlich niedrigeren PAPP-A Wert, einer erhöhten nuchalen Transluzenz (NT) oder bei fehlendem Nasenknochen (NB) der Leibesfrucht werden zur Konsultation in das Zentrum für Pränataldiagnostik gesandt.
- In der 14-17. Woche wird bei den anderen Müttern zumindest eine Untersuchung des Alphafetoproteins (AFP) und Chorion-Gonadotropins (T-hCG) durchgeführt. Im Blut von Müttern der Embryonen mit Down-Syndrom ist typischerweise das AFP niedriger und das T-hCG ist erhöht. Zur endgültigen Berechnung des Risikos eines angeborenen Defekts der Leibesfrucht werden jegliche bekannten Ergebnisse einbezogen (d.h. PAPP-A, NT, NB, AFP, T-hCG). Die Untersuchung eines weiteren Screening-Markers – des freien Estriols (uE3), können das Risiko einiger seltener Defekte (zum Beispiel das Smith-Leml-Opitz-Syndrom, das Edwards-Syndrom, ein Defizit an Steroiden-Sulphatasen) oder Störungen der Plazenta mit dem Risiko von Komplikationen am Ende der Schwangerschaft zu Tage führen.
- Das Screening wird durch eine Ultraschalluntersuchung in der 20. Woche abgeschlossen, die sich nach dem bisherigen Verlauf der Schwangerschaft richtet.
Die Positivität des Screenings bedeutet keine sichere Behinderung des Embryos. Es besteht nur ein höheres Risiko. Wirklich betroffen ist nur jeder zwanzigste bis fünfzigste Embryo.