Invasive Untersuchung


  • Amniocentese (AMC) – Fruchtwasserpunktion
  • Chorionzottenbiopsie (CVS)
  • Nabelschnurpunktion (PUBS)

Das Fruchtwasser ist eine rein gelbe Flüssigkeit, die sowohl freie biochemische Stoffe als auch lebende Fruchtzellen enthält. Eine Punktion wird zumeist um die 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt, kann aber auch ab Ende der 14. Schwangerschaftswoche sicher durchgeführt werden (gezählt ab dem ersten Tag der letzten Menses oder genauer, der Ultraschalluntersuchung entsprechend). Die AMC wird auch in späteren Stadien der Schwangerschaft durchgeführt, die Interpretation der Ergebnisse ist allerdings durch die Möglichkeiten eines Eingriffs in den Verlauf der Schwangerschaft nach der 24. Schwangerschaftswoche eingeschränkt.

Grund für die AMC ist meistens eine zytogenetische (chromosomale) Untersuchung von Embryozellen. Auf der Grundlage einer Fruchtwasserpunktion wird in den meisten Fällen der Wert des Alpha-Fetoproteins bei Verdacht auf Wirbelsäulenspaltung bestimmt. In begründeten Fällen werden einzelne Gene mittels Methoden der Molekulargenetik untersucht.

Die Punktion wird unter der Kontrolle des Ultraschalls mit Hilfe einer sehr dünnen Nadel (etwa 0,5 mm im Durchmesser) durchgeführt. Der Arzt sieht während der gesamten Punktionsdauer die Nadelspitze, wodurch eine Verletzung der Frucht äußerst unwahrscheinlich ist. Laut Aussagen von Schwangeren ist der empfundene Schmerz vergleichbar mit demjenigen bei einer Blutentnahme oder einer gewöhnlichen Spritze. Die entnommene Menge an Fruchtwasser entspricht etwa 15-18ml. Diese entbehrliche Menge wird sich der Embryo im Verlauf von einigen Stunden nach der Punktion selbst ergänzen.

Angesichts der Tatsache, dass die Amniocentese bestimmte Risiken in sich birgt, muss eine Durchführung derselben einen guten Grund haben, der Eingriff muss indiziert sein.

Das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen in Verbindung mit einer Fruchtwasserpunktion liegt nach Literaturangaben bei etwa 0,5 bis 1%. Das hängt vor allem vom primären Grund für eine Amniocentese ab.

Sollte es dafür einen Grund geben, kann anstelle einer AMC die Punktion anderer Zellgewebe der Frucht durchgeführt werden – zum Beispiel die Punktion eines Teils des Chorions (Zellgewebe, aus dem die Plazente entsteht - CVS), oder die Punktion einer geringen Menge Nabelschnurblutes (PUBS).

CVS wird im frühzeitigen Stadium der Schwangerschaft der 9-13. Woche durchgeführt, mit einem vergleichbaren Risiko wie bei der AMC. In dieser Phase der Schwangerschaft lässt sich auch eine so genannte frühzeitige Amniocentese (EAC) durchführen, auch wenn die Risiken dieses Eingriffs laut Literatur etwas größer sind als bei der AMC oder CVS. Die Qualität einer chromosomalen Untersuchung von Zellen, die in der CVS oder EAC gewonnen wurden, kann schlechter sein als bei Zellen, die aus der AMC stammen.

Bei schneller Untersuchung mit der Methode AmnioPCR ist das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden ab Entnahme bekannt. Das Ergebnis der kompletten chromosomalen Untersuchung (Karyotyp) dauert circa 2 Wochen.

PUBS ist technisch etwa ab der 16. Woche durchführbar. Auch dieser Eingriff wird, wie die AMC, von einem Risiko bis zur 30. Woche begleitet, doch ist er technisch etwas anspruchsvoller. Das Ergebnis von PUBS steht allerdings innerhalb einiger Wochen zur Verfügung.

Bei sämtlichen Eingriffen werden ähnliche Techniken unter Ultraschallkontrolle genutzt, wie zum Beispiel bei der AMC.

Alle diese Eingriffe werden ambulant durchgeführt, danach empfehlen wir jegliche körperliche Anstrengung für einige Tage einzuschränken. Schwangere haben Anspruch auf eine einwöchige Beurlaubung.