Infertilität bzw. ungewollte Kinderlosigkeit stellt ein stetig wachsendes Problem dar, das derzeit etwa 15 – 20% der Paare in wirtschaftlich entwickelten Ländern Europas und 5 – 8% der Paare in der ganzen Welt betrifft. Von Infertilität ist die Rede nach einem Jahr regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs, und genau wie bei jeder anderen Krankheit sollte das Paar auch in diesem Fall ärztliche Hilfe aufsuchen, sich einer empfohlenen Untersuchung der Ursache unterziehen und damit eine gezielte Behandlung ermöglichen. Zur leichteren Orientierung in dieser Problematik führen wir diejenigen Ursachen auf, die eine verminderte Fertilität oder sogar Infertilität von Mann und Frau oder wiederholte Schwangerschaftsabbrüche zur Folge haben können.
Neben den erwähnten Ursachen von Infertilität müssen Faktoren erwähnt werden, die das Problem potenzieren. Dazu gehören: Alter, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, Umfeld, Stress, Ernährung und genetisch gegebenes Reproduktionspotential.
Grundlage einer richtigen Diagnose ist eine ausführliche Anamnese der Familie und des Patienten selbst, Palpations-, Zytologie- und Kolposkopieuntersuchungen durch den Gynäkologen und einmalige oder wiederholte Ultraschalluntersuchungen, welche die Dynamik der Veränderungen beobachten. Eine an die Tage des Menstruationszyklus gebundene Hormonuntersuchung gibt uns nähere Informationen über die Ovulation oder bestimmt näher die Ursache ihres Fehlens und den Anteilsgrad anderer Drüsen mit innerer Sekretion (Schilddrüse, Pankreas...). Über den Zustand der Transportfunktion einzelner Teile des Reproduktionssystems der Frau informieren wir uns ausführlich und am besten mit Hilfe von endoskopischen Methoden (Hysteroskopie, Laparoskopie mit farbigem Test der Durchlässigkeit). Informationen über die Existenz von Gegenstoffen gegen Keimzellen erhalten wir durch eine Blut- oder Gebärmutterschleimhautunter-suchung.
Die Untersuchung des Mannes stützt sich genauso wie die der Frau auf Informationen aus der Anamnese, der klinischen Untersuchung, der Untersuchung des Ejakulats und wird bei einem Pathologiebefund ergänzt durch Genetik-, Hormonal-, Kultivations- oder Ultraschalluntersuchungen mit der Ausrichtung auf das Vorkommen von Varikozelen, und eventuellen Untersuchungen durch den Sexuologen, Psychologen oder einen anderen Spezialisten je nach Art des ermittelten Problems. Laut statistischen Angaben ist der Mann derzeit zu 53% am Reproduktionsproblem bei Paaren beteiligt, was bei der Untersuchungsplanung verbindlich ist, und zwar sowohl seitens des Untersuchenden als auch des Untersuchten.
Unter den Methoden, die Informationen über die Diagnose ausweiten, darf der erste IVF-Zyklus nicht fehlen, da es keine andere Methode gibt, die uns das gegenseitige Verhalten von Geschlechtszellen besser verdeutlichen würde.
Wenn wir bei der Auswahl einer Behandlungsmethode nicht durch den Zeitfaktor in Form des Alters der Frau und des Mannes limitiert sind und es sich nicht um eine beidseitige Störung des Eizellentransports (Verschluss der Eileiter) oder eine schwere Pathologie der Spermiogenese handelt, bei denen die Behandlung unter Einsatz von Techniken der assistierten Reproduktion erste Wahl darstellt, dann versuchen wir uns von den einfachen Methoden, die das Paar weniger belasten, hin zu den anspruchsvolleren zu bewegen.
Indikation zur ART-Behandlung:
- Beidseitiger Verschluss von Eileitern
- Einseitiger Verschluss des Eileiters refrakteral zur anderen Behandlungsart
- Ovulationsstörungen
- Endometriose
- Männlicher Faktor der Infertilität
- Immunologische Ursache der Infertilität
- Idiopatische Infertilität
- Pathologie, welche die Spende von Gameten erfordert
- Chromosomal gebundene Erkrankung, die eine genetische Präimplantationsdiagnostik erfordern